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BeitragVerfasst: So 5. Feb 2012, 19:11 
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Meister der Nüsse 2015
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Der Name Empordà leitet sich von der griechischen Siedlung Empuries ab, die sich im südlichen Teil der Bucht von Roses befindet. Der Weinanbau kam vermutlich durch die Römer in die Region, die in Roses eine befestigte Zitadelle und in Empuries eine römische Siedlung errichteten. Intensiv genutzt wurde der Weinanbau jedoch erst durch die Ansiedlung verschiedener Klöster im Mittelalter. Vor allem der Klöster Sant Pere de Rodas (zwischen Vilajuiga und Port de la Selva) und Sant Quirze de Colera.

Als die Reblaus gegen Ende des 19. Jahrhunderts die benachbarten französischen Kulturen ruinierte, erreichte der Wein-Export des Empordà seinen Höhepunkt. Aber die Plage zerstörte 1880 auch diese Region total. Was heute an den Weinbau erinnert sind allerorst die Hangbefestigungen die in mühevoller Kleinarbeit aufgerichtet wurden und tausende von Kilometer betragen.

In der Zeit nach dem zweiten Weltkriege verschrieben sich viele katalanische Regionen – und speziell das Empordà – der Produktion von „Rancios“ und Süßweinen, die zu den beliebtesten Weinen der Region zählten. Heute noch sind die Bodegas voll mit Probierfässern von Rancios und Grenache Verschnitten, sowie sehr süffigen Portweinen.

Ab 1960 pflanzten die Weinbauern der Region wiederstandsfähigere Reben an und neue Technologien erhielten Einzug in die katalanischen Weinkellereien. Wie so oft waren es die kleinen private Bodegas, die als mutige Vorreiter neue Methoden einführten und den Weinbau wiederbelebten.
1975 wurde die Ursprungsbezeichnung DO EMPORDA verliehen. Damit ist die „Consejo Regulador de la DO“ die älteste in Katalonien. Die zuständige Verwaltung befindet sich in Figueres. Neben der Herstellung von Weinen ist diese Gegend überregional für ihre Kork- und Olivenöl-Produktion bekannt.
Neue Wege um das Emporda auf Wachstumskurs zu halten geht das Landwirtschaftsministerium. Es erlaubt den Weinbauern des Alt Emporà ab diesem Jahr 275 Hektar Fläche mehr zu bearbeiten.
Allerdings bezieht sich diese Regelung nur auf Weinbauern, die zwischen 18 und 39 Jahre alt sind und diese dürfen nicht über mehr als drei Ha. Land verfügen.
Den Jungbauern wird so eine Chance gegeben und man erhofft sich, daß der Markt dadurch neue Impulse erhält.
Die DO umfasst zur Zeit etwa 2.300 ha Fläche.

Ein schönes Beispiel für diese Newcomer ist das Weingut Terra Remota

Terra Remota,

nur durch einen Zufall, den ich meiner Neugier verdanke, bin ich vor 2 Jahren auf das Weingut Terra Remota gestossen. Seit Jahren bereits beobachte ich im Emporda die rasante Entwicklung dieser relativ neuen Wein-Domäne. Zunächst waren es die wenigen, alteingesessnen Weingüter die sich mit dem qualitativen Ausbau von Wein und Business beschäftigen, allen voran die Firmengruppe Perelada. Es wurden vor Jahren neue Traubensorten gepflanzt, die Bodegas ausgebaut, Probierräume integriert und man hat sich beim Endprodukt vor allem für die Selektion und Reduktion entschieden. Seit geraumer Zeit starten auch die Cooperativen durch. Mit eigenem Marketing und einer klaren Zielsetzung, nämlich Qualitätsausbau und Direktmarketing auf höherem Niveau als bisher. Nun kann man jedes Jahr ein bis 2 neue Weinkeller entdecken und immer mehr der alten Kulturflächen werden reanimiert. Es scheint, daß die DO Emporda an die Hochzeiten vor der alles vernichtenden Reblaus anknüpfen möchte. Gemeinsam bringt man die DO Emporda voran.

Vor 2 Jahren fiel mir, am Straßenrand, auf dem Weg nach St. Climente ein Bauschild auf. Ich las Terra Remota und konnte Baupläne auf diesem Schild erkennen. Also kurzentschlossen in den Feldweg eingebogen um zu sehen was da passiert. Positiv ins Auge stachen sofort die ordentlichen Einfriedungen der Weinberge und die Beschilderung der Anpflanzungen. Die Beschilderung, als auch die Philosophie integrieren bewusst die Natur im Weinberg. Später lerne ich, daß die Schilder ausser den allgemeinen Angaben über Größe der Anpflanzung, Sorte, Anzahl der Stöcke, immer einen Namen eines Patron für den Weinberg tragen. Die Namen gehören immer einem Familienmitglied oder Mitarbeiter. So ist Emma (die Frau des Eigentümers) z.B. die Namensgeberin für die Cabernet-Sauvignon Anpflanzung über 1,88ha und 7960 Pflanzen. Auch lerne ich, daß die Pläne der Architekten Pépe Cortés & Nacho Ferrer teil des Marketings wurden. Sie finden sich überall. Auf den Prospekten, auf den Etiketten und nicht zuletzt an der Straße nach St. Climente.

Emma und Marc Bournazeau haben ihre Wurzeln hier auf ihrem entfernten Grund. Der Großvater war in den Kriegswirren in das nahe Frankreich geflüchtet und hatte Grund und Boden zurück gelassen. Man machte auch in Perpignan, in Frankreich und weit entfernt in Chile das wovon man am meisten verstand - Weinbau. Doch der alte Herr hat seine Heimat nie aufgegeben und ist zu seinem Land zurück gekehrt. "Terra Remota". Die Liebe zu seinen Weinbergen war so groß und doch konnte er den Höhepunkt, die Einweihung der Kelterei, nicht mehr miterleben. Seine Asche, wurde seinem Wunsch folgend, hier in den Weinberg verstreut. Man kaufte Land dazu und entwickelte es schonend und behutsam zur Kulturfläche. Natürlich und Ökologisch beginnt für die Bournazeau's bereits hier, bei der Anlage der Weinberge. So verwundert es nicht, daß z.B. eine Pinienbewaldung oder ein Tümpel nicht der Kultur weichen, sondern behutsam in die Anlage integriert wird, wie das Gebäude und sogar ein Schild "Pinien" erhält. Meine erste Bekanntschaft mit dem Anblick des Gebäudes war die, daß ich in dem schwer in der Landschaft auszumachenden Gebäude eine getarnte Militäranlage vermutete. Nicht unbegründet, denn das Bauwerk gibt es her und der nahe Militärstützpunkt ebenfalls. Ein Betonkoloss in Erdfarbe, begrünt und beforstet. Trotz - oder gerade wegen der minimalistischen Betonbauweise schmiegt sich das Gebäude harmonisch in die Landschaft ein. Beim zufälligen hinschauen sieht man nichts - oder erkennt dieses Gebäude wirklich eher als eine befestigte Militäranlage - denn als Weingut. Der Jury für die Kultur war es 2010 einen Architekturpreis in der Provinz Girona wert. Die Anlage ist konsequent nach dem Gravitationsprinzip angelegt, die erlaubt den schonenden Umgang mit den handgelesenen Trauben. In kleinen 10kg Schütten, damit die Trauben keinen Schaden leiden, geht es von der Weinlese direkt vom Feld in die oberste Ebene. Zur letzten, manuellen Traubenselektion und Presse. Verpresst wird nur die Traube selbst, was dann ein weiterer Hinweis auf eine akribische Selektion und die angestrebte Qualität ist. Von oben geht es in gekühlte Tanks. Gestampft wird wiederum von Hand, genau wie die batonnage die ebenfalls von Hand durchgeführt wird. Jeder Wein passiert neue Fässer aus französischer Eiche in 500 oder 225l, mit leichtem Toast.

Gekeltert werden 4 Weine, die allesamt Preise im In- und Ausland (allen voran Canada) errungen haben. Dies gilt insbesondere für den Clos Adrien der am höchsten dekoriert wurde.

Der rote Camino ein herrlicher Wein in der mittleren Preisklasse.
Der weiße Caminante mit leichter Holznote und einem tollen Duft und Geschmack
Ein runder Rose mit dem Namen Caminito der ebenfalls das Barrique und eine 6 monatige batonnage durchläuft.
und den Top Wein Clos Adrien der im großen 55hl Holzfass gekeltert wird und während der Reife mehrmals täglich eine manuelle "pigeage" erfährt.

Im Weingut lernt man dann noch einen weiteren Wein kennen zu dem sich der Kellermeister entschieden hat. Wenn trotz behutsamster Selektion und Reife nicht das gewünschte Resultat erreicht wird und der Wein bei der Fassprobe nicht überzeugt, wird der mit einem extra Etikett zu einem wahren Schnäppchenpreis vermarktet. Doch auch dieser Wein lieferte bei der Weinprobe eine überraschende Qualität.

Mein kleiner privater Vorrat an 1997er Terra Remota Camino erlaubt mir diese Verkostungsnotizen vorzunehmen:
Der Camino besteht aus jeweils 35% Syrah und Grenache, 20% Cabernet Sauvignon und 10% Tempranillo. Die Trauben kommen aus einer vollkommen ökologischen Kultur und werden zu einem besonderen Reifezustand handgepfückt und handselektiert sobald sie in den Keller kommen. Es folgt ein langer Prozeß der Maceration die nur mit Hand als "pigeage" erfolgt. Man muß sich das wie eine große Harke vorstellen mit der immer wieder, mehrmals täglich der Teig angestochen wird. Es folgt die malolaktische fermentation im großen Eichenfass oder einer Lagerung in 500 oder 225l Fässern für 2 Jahre.
Alkohohlgehalt 13,5%, Zucker 1.7g/l.
Der Wein lagert nun bei mir im 2. Jahr bei 12° im Weinklimaschrank. Der Kork hat schön Farbe angenommen. Trotz fehlender Filterung gibt es noch kein Depot in der Flasche.
Der Wein hat eine volle rotschwarze Farbe und zeigt am Rand einen noch immer vollkommen rotvioletten Schimmer. Kann also getrost noch gelagert werden. Viele Kirchenfenster im Glas versprechen bereits etwas kräftiges. Die Nase ist voll mit Himmbeere im Dekanter und leichter Vanille im Glas. Die Verbeugung vorm Holz mit dem leichten Toast sozusagen. Im Mund rund, vollmundig, teilweise nussig mit einem samtweichen Ende was an schwarze Schokolade erinnert. Ein langer Abgang mit tollen Tönen aus einem Mix von Röstaromen und dunklen Beeren.
Schön, daß es nun in der DO Emporda solch tollen Weine gibt. Die an Montsant und Priorato locker ranreichen und bisher immer noch auf dem halben Preisnveau sind.

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BeitragVerfasst: Sa 25. Feb 2012, 10:02 
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Wie kannst du mir soooooo den Mund wäßrig machen......

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BeitragVerfasst: Sa 25. Feb 2012, 11:32 
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Der ist gut für die Herzkranzgefäße. Da setzt man weniger Rost an!

:absacker:

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BeitragVerfasst: Sa 25. Feb 2012, 15:52 
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Komisch....meine Herzkranzgefäße haben aber auf Rotwein nicht reagiert denn sonst hätte ich mich vor wenigen Wochen nicht einer großen Cognacpumpenopreration unterziehen müssen......*grins* aber ich versuche es weiter mit der Vorbeugung!

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